Ein Brief an die beste Freundin!

unsere erste Begegnung war im August 1987. Dies liegt heute ca. 25 Jahre und 10 Monate zurück. Ich war gerade fünf und Du sechs Jahre alt.

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soll ich mich an eine Zeit erinnern, in der wir uns noch nicht kannten, ist das wirklich eine schwierige Angelegenheit, denn wir sind seit mehr als unser halbes Leben miteinander befreundet.

Es war im Kinderhort – genauer gesagt – hinten auf der sogenannten „Spielwiese“.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, was wir zueinander gesagt haben und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich diesen Moment als Besonders empfunden habe und ahnen konnte, dass dies bis heute halten wird, aber jede „Beziehung“ fängt mit einer „Begegnung“ an, und genau diese war unser Anfang.

Ich kann mich nicht wirklich erinnern, wie wir uns das erste Mal begegnet sind. Der Kinderhort war dabei aber eine bezeichnende Zeit für unsere Freundschaft, weil wir beide als Kinder von alleinerziehenden Müttern viel Zeit und auch die Ferien dort verbrachten.

Wir sind gemeinsam durch die Grundschulzeit gegangen. Aber wir waren nicht in derselben Klasse. Die Vor- und Nachmittage im Kinderhort, sowie die Ferienzeiten im Kinderhort haben uns verbunden. Tagsüber haben wir unsere Klassenkameraden-Freundschaften gepflegt. Also wir klebten nie permanent aneinander, aber doch waren wir in den Augen anderer eine Einheit.

Dann kam die Realschulzeit. Die Wege sollten eigentlich auf zwei anderen Schulen getrennt weitergehen, doch der Zufall wollte es, dass wir schlussendlich doch auf die selbe Schule und auch in die selbe Klasse kamen. Ich erinnere mich noch genau, dass wir dies im Flur unserer Grundschule festgestellt haben und uns freuten.

Aber auch hier war es so, dass wir zwar immer zusammen waren, aber nie nur zu zweit aufeinander klebten. Wir bildeten einen Kreis von mehreren Freundinnen, in dem wir uns gemeinsam sehr wohl fühlten. 

Die gesamte Zeit des „Großwerdens“ haben wir auch in den jeweiligen Familien fortgeführt. Deine Familie war meine und umgekehrt.

Wenn Freunde Familie sind, die man sich aussuchen kann, dann haben wir damals eine hervorragende Wahl getroffen. Wir lieben unsere gegenseitigen Familien, als wären es unsere eigenen. Als meine Mutter vor ein paar Jahren unverhofft im Krankenhaus war und nicht klar war, was als nächstes passieren würde, haben Du und Deine Familie mir viel Trost gespendet. Danke nochmal hierfür!

Dann fing die Zeit der beruflichen Laufbahn an. Ich habe mich für eine klassische – und für Dich unglaublich öde – Ausbildung im Büro entschieden. Du hast Dich für eine berufliche Fachschule für Fremdsprachen entschieden und anschließend für eine Ausbildung zur Flugbegleiterin – wiederum für mich mit Flugangst undenkbar. ☺

Diese Zeit trennte uns übers Jahr nicht nur beruflich, sondern auch räumlich. Und trotzdem haben wir unsere Freundschaft bewahrt und uns immer wieder gesehen...zu Geburtstagen, zu Weihnachten und hin und wieder, da wo es passte, unterjährig. Und sowieso immer wieder den Kontakt per Telefon gehalten. SMS und Netzwerke waren zu dieser Zeit (gerade mal ein paar Jahre her) noch nicht ganz so en Vogue. Und es ging auch so. ☺

Unsere Ausbildungszeiten konnten wirklich nicht unterschiedlicher verlaufen. Meine Arbeit erlaubte es mir, Dich in Hamburg zu besuchen, wo Du unverschämterweise hingezogen bist. ;) Ich habe Dich gerne und oft dort besucht. Der Kontakt war trotzdem immer da, sei es nur zum klären, wie denn nochmal dieser eine Schauspieler heißt, der in dieser einen bestimmten Serie mitgespielt hat oder, um auch einfach mal Dampf abzulassen und sauer auf die Welt zu sein.

Selbst wenn wir mal Wochen nicht gesprochen haben, war klar, wir können uns gegenseitig jederzeit melden, ohne dass ein Groll herrscht, dass man sich so lange nicht gemeldet hat.

Einigkeit finden wir uns unseren Charakterzügen, unseren Einstellungen und Überzeugungen gegenüber dem Leben und gegenüber unseren Mitmenschen.

Manchmal erschreckt es mich, wenn wir genau wissen, was der andere denkt und/oder sagen will und wir damit manchmal (fast immer) unsere Männer mit einem Themenwechsel aus der Fassung bringen können und in diesen dann so direkt und vertiefend einsteigen können, und sei es etwas, was wir vor Stunden schon abgehakt hatten. Unsere Insiderwitze kann man schon gar nicht mehr auflisten!

Es gibt aber auch viel, was uns unterscheidet. Modisch sind unsere Stile sehr unterschiedlich. Ich orientiere mich eher an aktueller Mode, mal businesstauglich, mal sportlich. Du hast Dir einen modernen Vintagestil zu Eigen gemacht, der mir immer gut gefällt, aber zu meiner Person als Modestil einfach nicht passt.  

Mensch, eigentlich schade, dass wir nie Klamotten austauschen konnten. Dein klassischer, eleganter Stil mit einem Hauch von Konservativem aber dabei immer hip kannst nur Du umsetzen. Ich habe Dich so immer auf einer Yacht gesehen, Wind in den Haaren, Sonnenbrille auf, Apéritif bestellt. Von Dir ein Kompliment für mein Outfit zu bekommen ist immer etwas Besonderes für mich.

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Was ich an unserer Freundschaft schätze?

Immer wieder bewundere ich Dich in vielerlei Hinsicht.

Du bist zielstrebig, hast genaue Vorstellungen wie Du etwas möchtest und führst es genauso zum Ziel. Es gibt oft Dinge, bei denen ich feststelle, dass ich den ein oder anderen Wesenszug von Dir gerne mehr in mir hätte ;)

Du warst und wirst immer diejenige sein, die mich an der Hand nimmt und mir zeigt, dass es in Ordnung ist, zu sein wie ich bin - ohne einen Zweifel - und das gleiche empfinde ich – Du bist ein besonderer Mensch und klasse, so wie Du bist.

Du stellst meine Entscheidungen für mein Leben nie in Frage, bei meiner ersten Hochzeit warst Du Trauzeugin. Bei der Trennung dann an meiner Seite. Meine Zeit als alleinerziehende Mutter hast Du ganz eng begleitet und schon vor der Geburt war klar, dass Du für meine Kleine auch die Patentante sein sollst.

Dann die zweite Hochzeit, bei der Du – für mich selbstverständlich – auch wieder meine Trauzeugin sein solltest. Keine andere Person wäre für mich vorstellbar gewesen. 

Warum wir ein unschlagbares Team sind?

Du bringst mich immer auf den Boden der Tatsachen zurück. Du glaubst immer an das Gute im Menschen und in der Welt, auch wenn ich ihr unentwegt nur Böses unterstellen möchte und Du mir dann zeigst, dass es auch andere Perspektiven, Herangehensweisen und Ansichten auf ein und dieselbe Situation gibt. Wir waren uns immer gegenseitige Stützen, als der jeweils andere neue Wege ging, vor scheinbar unlösbaren Aufgaben oder Situationen stand und vom Leben gebeutelt wurde. Dabei lassen wir uns gegenseitig Freiraum und haben dabei gedanklich aber immer einen Platz für den anderen.

Ich habe mal gelesen, dass besondere Dinge nie zahlreich auftreten und so sehe ich unsere Freundschaft, von der man eigentlich gar nicht mehr sprechen kann, denn wir sind inzwischen Familie. Du bist meine Trauzeugin und Deine Tochter nennt mich so selbsverständlich Tante, als wären wir Schwestern. Und eigentlich bist Du das ja auch: meine Schwester, meine Ratgeberin, mein Verbündete, die mich immer daran erinnert wie in „Der Club der toten Dichter“ auf einen Tisch zu steigen und die Welt mit anderen Augen zu sehen.

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Italienisch habe ich bis heute nicht gelernt, aber wir arbeiten kräftig daran, dass Dein Patenkind dies vielleicht aufholt. ☺

Wir haben schon so viel erlebt und unsere Freundschaft wächst immer noch.

Du hast Eigenschaften die mich zu einem besseren Menschen machen und ich hoffe, meine Eigenschaften machen Dich zu einem besseren Menschen.

Du warst und wirst immer die Freundin, die Schwester, eben Familie für mich sein.


Dies ist ein Beitrag zur Blogparade mit dem Thema: Was macht die Freundschaft zu Eurer besten Freundin - oder Eurem besten Freund - so einzigartig und besonders? Was zeichnet Eure beste Freundin/Euren besten Freund aus? ausgerufen durch den mode+mehr Blog von bonprix zu Ehren des internationalen Tages der Freundschaft am 30. Juli.

Ich hoffe Ihr hattet Spaß beim Lesen und denkt an Eure beste Freundin und sagt ihr einfach mal, warum sie wichtig oder besonders für Euch ist!

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